Unser
Survival-Intensiv-Kurs (03. - 05. Oktober 2003)
Ich werde immer wieder
gefragt, was wir denn eigentlich so in unseren Kursen tatsächlich
machen. An dieser Stelle möchte ich Euch einfach mal in groben
Zügen anhand einiger Beispiele erzählen, was wir so gemacht
haben. Das war natürlich längst nicht alles, was an dem
Wochenende stattgefunden hat......
Der
Zeitpunkt für den Intensivkurs bot sich förmlich an. Der
3. Oktober als Feiertag fiel dieses Jahr auf einen Freitage. Kombiniert
mit dem Wochenende also ideal mal ein paar Tage zusammenhängend
"auszuspannen".
Das Ziel des Intensivkurses
war es, den Teilnehmer Techniken aus dem Bereich Survival zu vermitteln
und die praktisch Umsetzung zu trainieren. Dies sollte jedoch nicht
wie eine schulische Veranstaltung als Unterricht ablaufen. Vielmehr
sollten die Teilnehmer sich viele Dinge selber erarbeiten, kreativ
sein und als Gruppe Probleme lösen und Hindernisse überwinden
- und das unter physischen und psychischen Belastungen.
Als Ausrüstung wurde
ein Schlafsack, eine Isomatte, ein Trinkbecher und ein Messer mit
feststehender Klinge vorgegeben. Darüber hinaus sollte jeder
Teilnehmer das mitbringen, was er für das Leben in der Natur
für wirklich sinnvoll erachtet.
Über die Verpflegung
brauchten sich die Teilnehmer angeblich keine Gedanken machen, dafür
sei gesorgt, hieß es vom Veranstalter........man sollte nicht
alles glauben, was man so gesagt bekommt :-)
Die Teilnehmer:
Marc - 30 Jahre
Daniel - 26 Jahre
Dietmar - 60 Jahre
Klaus - 39 Jahre
Außerdem war mein
Kumpel Markus und natürlich meine Wenigkeit dabei. Didi konnte
aufgrund einer Mittelohrentzündung und starken Grippe leider
nicht mitmachen. Aber er sorgte für die Logistik.
Und los geht´s!
Tag 1
Der Morgen begann für ein Survivaltraining absolut herrlich:
Gegen 07.30 Uhr herrschte Weltuntergangsstimmung. Es schüttete
aus Eimern und gleichzeitig zog eines der beeindruckendsten Gewitter
des Jahres über das Siegerland. Nebel ergänzte das Spektakel
zu einer echten Herausforderung.
Wir haben uns um 09.00 Uhr
in Wilnsdorf-Rudersdorf auf einem abgelegenen Wanderparkplatz in einem
Waldgebiet getroffen.
Fünf Teilnehmer wurden erwartet, es erschienen leider nur vier.
Wie sich später herausstellte, hatte einer der Teilnehmer gesundheitliche
Probleme und nahm daher nicht teil.
Aber die vier anderen waren pünktlich und mit einem schnellen
Kaffe über dem selbst entzündeten Feuer wurden alle recht
schnell "warm".
Dabei zeigten sich erste
Probleme: Regen und Nässe vertragen sich mit Feuer nicht so richtig.
Aber wenn die Natur es uns mit Wind, Regen und Nässe einerseits
schwer macht, so hat sie auf der anderen Seite auch einige Dinge für
uns parat, die es uns trotzdem erlauben, bei diesen widrigen Bedingungen
ein Feuer zu entzünden und uns einen heißen Kaffee zu gönnen.
Übrigens den letzten für diesen Tag......
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde
ging es dann ans erste Thema: Orientierung mit Karte und Kompass.
Etwas Theorie, aber notwendig.
Danach hat uns Didi irgendwo
in die Pampa gefahren. Keiner der Teilnehmer wusste, wo hin es geht.
Dort angekommen wurde der Gruppe eine Karte ausgehändigt, und
es wurde ein Zielpunkt festgelegt, der erreicht werden sollte.
Also erst mal musste der
eigene Standort bestimmt werden. Mitten im Wald, hügeliges Gelände,
keine Übersicht möglich, keine Kreuzpeilung möglich......aber
die Teilnehmer waren schnell auf der richtigen Fährte.
Aus einer Richtung waren Geräusche zu Hören, die auf eine
vielbefahrene Straße hindeuteten. Also versuchte man in diese
Richtung zu laufen, um die Straße als Auffanglinie zu nutzen.
Kombiniert mit einem Gewässer, das in der Nähe entdeckt
wurde, war der eigene Standpunkt recht schnell bestimmt.
Und dann ging es los in
Richtung Zielpunkt.
Ach ja, Streichhölzer
und Feuerzeuge waren untersagt. Ein Magnesiumstarter wurde ausgehändigt
und war als einziges Feuerwerkzeug zulässig.
Also hieß es schon vom ersten Moment an: Zunder und trockene
Materialien fürs Feuer am Abend am Wegesrand suchen und mitnehmen.
Also Augen auf.....
Mittlerweile hatte es aufgehört
zu regnen.
Daniel navigierte uns mit Marschzahl und Kompasspeilung quer durch
den Wald mit mannshohen Farnfeldern und traf zielgenau auf die auf
der Karte angepeilte Wegekreuzung. Hut ab!
Der erste Zielpunkt war
gegen 12 Uhr erreicht. Ein ca. 100 Meter langer und 60 Meter breiter
See.
Die Aufgabe: Überwindung des Sees in seiner Breite. Egal wie!
Es stand etwas Seil zur Verfügung, so dass ein Floßbau
möglich war. Nur war die Frage: Ein Floß für alle?
Ein kleines Floß und mehrfach fahren? Trägt uns ein Floß?
Schwimmen? Wie ist es mit dem Zeitfaktor für die gesamte Strecke?
Usw.
Die Entscheidung der Gruppe
fiel auf ein kleineres Floß für die Ausrüstung und
Kleidung. Die Teilnehmer wollten Schwimmen und das Floß vor
sich her schieben.
Aus dem Wald wurde Fallholz, dass auf dem Boden lag, gesammelt und
mit der Schnur zu einen kleineren Floß verbunden. Hier bot sich
die Möglichkeit Knoten zu üben.
Und dann runter mit den
Klamotten, die Ausrüstung in Ponchos oder Regenkleidung eingewickelt
und aufs Floß gelegt und ab in den See. Und der war ganz schön
kalt!
Alle kamen drüben an.
Dietmar schwamm die gesamte Strecke zu Trainigszwecken gleich doppelt!!!
Mehr brauche ich zur Motivation wohl kaum zu sagen........
Nachdem man wieder trocken in den Klamotten steckte wurde das Floß
wieder zerlegt und das Holz wieder dorthin gelegt, wo es hergeholt
wurde! Nachher verriet nur noch der etwas aufgewühlte Schlamm
im Uferbereich, dass wir dort gewesen waren.
Dann ging´s weiter
zum nächsten Zielpunkt.
Ein etwas kleinerer Tümpel, ca. 20 Meter breit. Dieser sollte
auf einem Seil gleitend überwunden werden.
Dazu mussten erst einmal Bäume mittels zwei Schnüren
von etwa 1,5 Metern Länge erklettert werden, um das Seil
zu befestigen (Training von Knoten und Schlingen).
Dann sollte auf dem Bauch rutschend über das Seil geglitten werden.
In der Mitte hing das Seil durch, so dass man mit den Füßen
fast das Wasser berühren konnte. Hinten ging es wieder etwas
nach oben, was das Gleiten schwieriger machte. So stieg der ein oder
andere nicht erst ganz am Ende, sondern etwas früher im Schilf
ab......... da war noch ordentlich Schlamm und es gab nasse Füße.
Aber niemand ließ sich etwas anmerken.
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Weiter zum nächsten
Zielpunkt, einem alten Bergwerkgelände. Erst musste eine Schutthalde
erklommen werden. Auf der anderen Seite ging es ca. 25 Meter steil
bergab. Hier wurde sich im Dülfersitz ohne Hilfsmittel, wie Sitz-
oder Brustgurt, Abseilhilfsmittel o.ä. sondern nur mit dem einfachen
Seil und dazu noch mit Gepäck und Ausrüstung abgeseilt.
Und bisher haben alle Teilnehmer immer wieder festgestellt, dass es
wesentlich einfacher ist, als es aussieht.
Mittlerweile war es später
Nachmittag geworden. Es lagen noch etwa 2 Stunden Fußweg vor
uns. Bisher war der Tag ganz schön anstrengend und noch keine
Verpflegung........na sollte da jemand gelogen haben?
Unterwegs wurden schon Hagebutten
gefuttert und Schlehen gepflückt. Hier und da waren Waldbeeren
zu finden.
Und schließlich kamen wir auch an einem abgeernteten Kartoffelfeld
vorbei. Hier wurde doch die ein oder anderen Kartoffel gefunden, die
bei der Ernte vergessen worden war.
Am Lagerplatz angekommen,
ging es schon langsam in Richtung Dunkelheit. Also teilte sich die
Gruppe auf: Drei Leute fürs Feuer und drei für die Unterkunft.
Für die Übernachtung stand eine größere Plane
und drei kleinere Planen zur Verfügung. Wie die Unterkunft errichtet
werden soll, blieb den Teilnehmern überlassen.
Es wurde sich für ein Schrägdach mit der Öffnung zum
Feuer hin entschieden.
Der andere Teil der Gruppe sammelte Feuerholz und bereitete das Feuer
vor. Schließlich musste das Feuer ohne Streichhölzer und
nur mit dem Magnesiumstarter entzündet werden.
Da alles recht naß war, waren die Teilnehmer froh, schon während
der Wanderung verschiedene Dinge gesammelt zu haben, die jetzt trocken
und fürs Entzünden des Feuers unentbehrlich waren.
Und aufgrund der guten Vorbereitung dauerte es auch nicht lange und
das Feuer brannte.
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Und nun kam die Spezialsuppe:
Kartoffeln, Hagebutten, Löwenzahn, Brennesseln,
Spitzwegerich, Breitwegerich, Klee und so dies und das, um nur ein
paar Dinge zu nennen. Abgerundet wurde die vegetarische Suppe mit
einer Fleischbeilage, einer Hand voll Maden.
Natürlich schauten alle Teilnehmer erst mal genauer hin, ob man
das Gewimmel wohl in die Suppe packen kann. Aber schließlich
entschieden die Teilnehmer gemeinsam: Jawohl, reines Eiweiß,
wer weiß, was uns morgen erwartet.
Außerdem wurde mit
einem Teig aus Mehl und Wasser versucht, ein Brot auf einem heißen
Stein zu backen - ein Fladenbrot. Aber der wiederkehrende Regen hatte
das Brot recht schnell zu Mehlschlamm verwandelt.
Da kein Besteck auf der
Liste der mitzubringenden Gegenstände stand, wurden Gabel und
Löffel selber gebaut bzw. geschnitzt.
Eine gemütliche Runde
am Lagerfeuer und dann erschöpft ab ins Bettchen.....
In der Nacht schüttete
es, wie aus Eimern. Dabei Sturmböen, die den Regen unter das
Schrägdach drückten. Teilweise wurden die selbstgebauten
Heringe aus der Verankerung gerissen und die Plane peitschte ordentlich.....und
kam dann so zum liegen, dass das ablaufende Wasser bei einem Teilnehmer
im Schuh landete, der morgens wirklich voll war. Soviel zum Thema
Wassergewinnung!
Der ein oder andere hat
nicht viel Schlaf bekommen.....
Tag 2
Morgens hörte es auf zu regnen. Bodennebel und deutlich gefallene
Temperaturen ließen einen bei der feuchten Kälte frieren.
Also Feuer an.
Die Teilnehmer hatten schon so viel gelernt, dass das Feuer trotz
des extremen Regens in der Nacht wirklich schnell brannte.
Für die gegebenen Bedingungen kaum schneller machbar!
Outdoor-Hygiene musste dann auch sein. Waschen im Bach mit kaltem
Wasser und die Zähne mit Kohle aus dem Feuer und dem kleinen
Finger geputzt.
Ohne große Absprachen
erledigte jeder Teilnehmer das, was gerade anfiel. Feuerholz holen,
Abwaschen, Kleidung zum trocknen aufhängen usw.
Dann wurde eine stabilere
Unterkunft in Angriff genommen.
Gemeinsam wurde bereits gefallenes Holz aus dem Wald geholt.
Daraus wurde ein Schrägdach, deutlich größer als das
erste, gebaut. Dieses wurde mit den Planen abgedeckt. Aufgrund der
Größe hätte der Wind auch nicht mehr so einfach den
Regen unter das Dach drücken können.
Außerdem wurde
das Abziehen des Fells und das Ausnehmen eines Hasen demonstriert.
Da wir uns an Recht
und Gesetz halten, wurde der Hase natürlich nicht selber
gefangen, sondern bereits waidgerecht geschlachtet abgeholt.
Der Hase wurde angebraten
und dann gekocht. Dadurch das Anbraten verschließen sich die
Poren des Fleisches, und beim Kochen bleibt der gesamte Nährwert
erhalten, da die Brühe natürlich auch getrunken wird.
Man kann den gesamten Kopf übrigens mitkochen und das Fleisch
nachher ablösen und nochmals alles aufkochen. Den Kopf drin lassen.
So wird wirklich alles verwertet. In die Suppe kamen die Reste der
Kartoffeln vom Vortag und noch ein paar Hagebutten und so das ein
oder andere, was auf der Wiese zu finden war.
Ganz ehrlich: Ein Festmahl! Und man hat absolut alles verwertet!
Nachmittags standen dann
Themen, wie Feuer ohne Streichhölzer, Wassergewinnung und -aufbereitung,
auf dem Programm, wobei alles von den Teilnehmern geübt und ausprobiert
werden konnte.
Ab und zu bekamen wir mal
wieder den Hintern gewaschen, aber daran hatten sich alle längst
gewöhnt.
Gegen Abend stand dann das
Abendessen auf dem Programm. Dazu nahm jeder Teilnehmer seine eigene
Forelle aus und füllte sie mit Beifuß und Sauerampfer.
Auf dem selbst gebastelten Rost wurden sie über der Glut gegrillt.
Hier und da einen Fichtenzweig mit grünen Nadeln in die Glut
geworfen gaben dem Fisch einen rauchigen Geschmack.
Einfach nur lecker! Und alles ohne Hilfsmittel aus der Zivilisation!
Im Anschluß backten wir noch ein Fladenbrot auf einem heißen
Stein für das Frühstück am nächsten Morgen.
Schließlich riß
der Himmel auf und es hörte auf zu regnen. Das hatte zwei Dinge
zur Folge:
Erstens wurde es echt frisch: Die Temperatur ging auf 5 Grad zurück
und die Nacht kam erst noch. Und alle hatten vom ständigen Regen
feuchte Klamotten an. Wir standen bis zu den Knöcheln im Matsch.
Aber zweitens konnte man die Sterne und den Mond sehen. Also ideal
um Orientierung ohne Kompass bei Nacht zu üben.
Großer Wagen, kleiner Wagen, Himmels-"W", Nordstern
usw. konnten erkannt werden - bis hin zum Mond, mit dem wir auch die
Himmelsrichtung bestimmen konnten. Und mit dem Kompass wurde überprüft,
dass die ermittelten Himmelsrichtungen stimmten.
Dann ging es noch mal ab
in die Falle.
In der zweiten Nacht war es fast windstill und es regnete nur noch
einmal kurz. Aber dafür war es deutlich kälter als in der
ersten Nacht.
Tag 3
Am nächsten Morgen
ging´s um sieben raus aus den "Federn".
Abends war ein solch dicker Holzklotz aufgelegt worden, so dass morgens
noch Glut vorhanden war. Ganz schön schlau......
Schnell war das Feuer entfacht und es konnte das am Vorabend gebackene
Brot aufgewärmt und gefrühstückt werden.
Dann wurde der Überlebensgürtel
thematisiert. Als Exkurs in diesem Bereich wurden unterschiedliche
Messer vorgestellt und erläutert und worauf man bei der Anschaffung
achten sollte (übrigens auch in (waffen-)rechtlicher Hinsicht).
Danach folgte die Orientierung
ohne Kompass bei Tag und Knotenkunde.
Abschließend wurden Auslösemechanismen für den Fallenbau
erklärt, wobei keine Falle gebaut wurde. Hintergrund dafür
sind die rechtlichen Vorschriften bei uns, die wir während des
gesamten Trainings in jeder Hinsicht zu beachten versuchen - nicht
nur beim Fallenbau.
Mittags gab es dann mitgebrachtes
Wildschweinfleisch - über dem Feuer gegrillt und mit Beifuß
und Feuerrauch gewürzt.
Nach dem Essen wurde das
Lager abgebaut und aufgeräumt. Das Feuer wurde ordnungsgemäß
mit Wasser gelöscht.
Bis auf die Unmengen an Schlamm erinnerte nicht mehr viel an unsere
Anwesenheit.
Wir machten uns zu Fuß
auf den Rückweg zu den Fahrzeugen, die ca. 15 Minuten entfernt
standen.
Dort trennten sich nach
einer intensiven Verabschiedung unsere Wege......
Fazit:
Trotz des wirklich schlechten Wetters war es ein einfach nur gelungenes
Wochenende. Es war eine hervorragende Gruppe, die von Beginn an aufeinander
eingespielt war und von Stunde zu Stunde besser miteinander arbeitete.
Und zu erkennen, dass man mit sehr wenigen Hilfsmitteln (oder auch
manchmal ohne Hilfsmittel) aus der Zivilisation schon sehr viel erreichen
kann, war ein wirklich immer wieder bemerkenswertes Erlebnis und Gefühl.
Bis zum nächsten Mal.......
Von hier noch mal meinen herzlichen Dank an die Teilnehmer, die uns
ein wirklich schönes Wochenende haben erleben lassen.
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